MEET CHRISTOPH SILBER!


Drehbuchautor Christoph Silber spricht mit artventist in einem exklusiv für die Community entstandenen Interview über seine Arbeit als Künstler, sein persönliches Erfolgsjahr 2009, die Freiheit des Christen- und Künstlermenschen und gibt Hinweise wie das Leben als Kreativer Gläubiger noch besser gelingen kann.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Christoph Silber...

 

... wird am 26. April 1971 in Berlin geboren.

... ist Fan der Fussballmanschaft Herta-BSC und der New York Yankees.

... liebt Film und Theater.

... ist als Teenie Musikjournalist mit eigener Band.

... verweigert den Wehrdienst in der DDR, was nicht ohne Folgen bleibt.

... versucht sich als Bauarbeiter und Briefträger.

... arbeitet nach der Wende zwei Jahre als Journalist / Literaturübersetzer.

... macht Kurzfilm-Experimente mit Filmstudenten.

... schreibt dann erste Drehbücher - für die Schublade.

... debütiert 1996 als Bühnenautor am Burgtheater - zu früh.

... erledigt, nach einer Sinnkrise, TV-Serienjobs.

... langweilt sich jedoch und wagt einen Neustart.

... entscheidet sich für "The Big Apple", was promt mit seiner großen Liebe belohnt wird!

... wird im Jahr 2000 Vater.

... sagt dem Filmgeschäft den Kampf an! Und es klappt!!

... wirkt an "Julietta" und "Goodbye, Lenin!" mit.

... ersinnt Geschichten für Tatort.

... entfaltet sich in deutschen und englischen Drehbüchern.

... arbeitet seit 2008 parallel in Amerika und Deutschland. 

... wird noch mal Vater!

... lebt zur Zeit in den U.S.A.  

 

Weitere Infos unter

www.chrissilber.blogspot.com

 

 

 

 

INTERVIEW 

 

 

artventist: Hallo Christoph!  In einem persönlichen Gespräch sagtest du, dass 2009 "ein gutes Jahr" für dich sei. Das war bereits in der ersten Hälfte des Jahres. Hat sich diese Einschätzung für dich weiter bestätigt?

 

Christoph Silber: Absolut. Ich erlebe das große Wunder, unser zweites Kind aufwachsen zu sehen, und in der Arbeit gehen neue Türen auf. Es läuft super. Gerade werden die "Teufelskicker" nach meinem Drehbuch produziert, ein Film für die ganze Familie, der im Jahr der Fußball-WM in die Kinos kommt. Außerdem "Liebe ist nur ein Wort", eine Simmel-Neuverfilmung fürs ZDF. Ende des Jahres dann "Aberration", ein kleiner amerikanischer Film. Im November wird ein Berliner Tatort von mir gesendet. Und zur Zeit schreibe ich an einem Drehbuch für Volker Schlöndorff. 

 

artventist: Zunächst einmal Gratulation zu deinen bisherigen Erfolgen, du hast mittlerweile einige Auszeichnungen erhalten! Das Jahr 2003 (Drehbuch-Co-Autor für Good-bye, Lenin! der "Bester Europäischer Film" wurde) war sozusagen der Auftakt für eine fruchtbare Phase deines Schaffens. In diesem Jahr hast du bereits drei, zum Teil prestigeträchtige Preise (Preis der Deutschen Filmkritik, Goldene Kamera, und Adolf-Grimme-Preis), erhalten. Bist du stolz darauf? 

 

Christoph Silber: Kleine Korrektur: Für die Goldene Kamera waren wir mit dem Tatort "nur" nominiert. Die Preise bedeuten für mich vor allem, dass ich noch bessere Möglichkeiten bekomme, mir meine Projekte auszusuchen und eigene Ideen durchzusetzen. Klar bin ich auch ein bisschen stolz, aber auf den Schreibtisch stelle ich sie mir nicht. Das lenkt ab. 

 

artventist: Auf deiner Homepage, bzw. auf deinem persönlichen Blog kann man einiges über deine Arbeit in der Filmbranche erfahren. Das klingt alles in allem nach einer sehr abwechslungsreichen und spannenden Arbeit. Was schätzt du am meisten an deinem Job? 

 

Christoph Silber: Die Möglichkeit, in immer neue Welten hineinzuschauen und dafür auch noch bezahlt zu werden. 

 

artventist: Was fordert dich dabei am Meisten heraus bei deiner Arbeit? 

 

Christoph Silber: Vieles. Ich versuche mich immer als ein Lernender zu sehen, insofern bin ich täglich herausgefordert, stoße an Grenzen (vor allem meine eigenen) und versuche sie zu überwinden. 

 

artventist: Neben diversen Auftragsarbeiten, die dir zusagen, schreibst du ja auch leidenschaftlich gerne "auf eigene Faust". Was sind das für Themen, die dich da persönlich beschäftigen?  

 

Christoph Silber: Wahrscheinlich vor allem die Frage, wie Menschen mit ihren Verletzungen umgehen. 

 

artventist: In einem deiner Workshops hast du mal über die "Wertlosigkeit" einer Idee an sich gesprochen ("an idea is worth a dollar"). Damit hattest du verdeutlicht, dass es mit unter ein harter und langer Weg für den Künstler von der Idee bis zu ihrer Umsetzung ist. Ideen gibt es viele, zu viele. Und doch sind die "richtigen" Ideen wichtig für einen Künstler. Woher kommen deine Ideen? Woher nimmst du deine Inspiration? Verrate uns deine Geheimrezeptur =).  

 

Christoph Silber: Inspiriation kommt von "Spiritus". Ideen kommen von oben. Man braucht nur eine gute Antenne und viel Geduld. 

 

artventist: Hast du besondere Vorbilder, die deine Arbeit geprägt haben oder die dich besonders inspirieren? 

 

Christoph Silber:  Neben großen Filmleuten wie Billy Wilder, Spielberg oder Truffaut inspirieren mich viele, mit denen ich zusammenarbeite und befreundet bin, z.B. Schlöndorff und Philipp Stölzl. Außerdem inspiriert mich Musik - alle möglichen Arten von Musik. 

 

artventist: Wann hast du erstmals gewusst, dass du Kunst machen willst? 

 

Christoph Silber: Mit vier Jahren, als ich zum ersten Mal im Kino und im Theater war. 

 

artventist: Glaubst du, dass Kunst etwas mit Berufung zu tun hat?  

 

Christoph Silber: Ich glaube, dass Kunst vom Machen kommt. Sie bringt etwas heraus, dass wir alle irgendwo in uns haben. Die besten Künstler sind solche, die nicht anders können. 

 

artventist: Wie viel Prozent vom Erfolg in der Kunst hängt deiner Meinung nach von Talent, wie viel von Übung und wie viel von Disziplin ab?  

 

Christoph Silber: Disziplin (oder Hartnäckigkeit) macht wahrscheinlich 90 Prozent aus. 10 Prozent sind Talent. Die Übung ergibt sich aus der Disziplin. 

 

artventist: Anders gefragt: Kann man Künstler werden?  

 

Christoph Silber:  Sicher, in dem Sinne, dass jeder irgendwo anfängt. Sich traut. Ausprobiert. Darum ist Ermutigung so wichtig. 

 

artventist: Dein Tipp für werdende Künstler? 

 

Christoph Silber: Nie den Mut verlieren. 

 

artventist: Wenden wir uns dem Bereich der "Spiritualität" zu. Sind Künstler religiöse Menschen?  

 

Christoph Silber: Da rette ich mich doch gern in die Gegenfrage: Was genau hat Spiritualität mit Religiosität zu tun? 

 

artventist: Du bekennst dich sehr offen zu deinem Glauben, und bist darin nicht nur jungen kreativen Gläubigen ein Vorbild. Welche Rolle spielt der Glaube für dein Kunstschaffen? 

 

Christoph Silber:  Ich nehme mich und das Geschäft nicht so wichtig und weiß, dass mir nie die Ideen ausgehen können, weil die Quelle unerschöpflich ist. Das bringt 'ne Menge. 

 

artventist: Gab es Momente, in denen andersherum die Kunst deinen Glauben geprägt hat? 

 

Christoph Silber:  Die gibt es ständig. Die Facetten unseres Wesens ergeben ja erst ein Ganzes. 

 

artventist: Geraten Kunst und Glaube bei dir manchmal in Konflikt miteinander? 

 

Christoph Silber:  Nein. 

 

artventist: Gibt es deiner Meinung nach Grenzen in der Kunst? Wo siehst du diese? 

 

Christoph Silber: Kunst darf keine Grenzen haben, abgesehen natürlich von den rein physisch-materiellen. Wenn Kunst sich Grenzen setzt, hört sie auf, Kunst zu sein. 

 

artventist: Eine häufig gestellte, von Nützlichkeitsdenken geprägte Frage zum Thema Kunst lautet: "Was bringt das für die Gemeinde?" Was ist deine Meinung zu dieser Haltung? 

 

Christoph Silber: Ich bin davon überzeugt, dass die Adventgemeinde wie jede andere Konfession zu dem Zweck existiert, sich selbst zu überwinden und Teil eines Ganzen zu werden. Denen, die das auch so sehen, kann Kunst sicher helfen, sich auf das Ganze vorzubereiten, Grenzen zu überschreiten. 

 

artventist: Entspricht es deiner Erfahrung, dass deine Gemeinde Verständnis für Kunst/Künstler aufbringt? 

 

Christoph Silber:  Ich erwarte da nicht viel. Konfessionen sind immer ein Stückweit Schutzorte, in die sich Gläubige vor der eigentlichen Berufung ihres Glaubens fliehen. Mein Platz als Künstler ist nicht "drinnen", sondern draußen. 

 

artventist: Was müsste passieren, dass die Adventgemeinde den Wert und die Bedeutung der Künste zur Lebens- und Glaubensgestaltung erkennt und schätzen lernt? 

 

Christoph Silber:  In der Frage schwingt  Enttäuschung mit. Ich rate (werdenden) Künstlern, ihre Anerkennung nicht aus der Gemeinde zu erwarten. Im Gegenteil, ich sage jungen Christen meistens, dass sie viel Ablehnung erleben werden, wenn sie sich der Kunst zuwenden. 

 

artventist: Wie gehst du mit der Spannung um, als Künstler in einer zum Teil sehr nüchternen wortbezogenen und eher kognitiven Gemeinde beheimatet zu sein? 

 

Christoph Silber:  Ich weiß, das klingt mal wieder radikal, aber ich betrachte die Adventgemeinde nicht als Heimat. Meine Heimat ist in der Liebe Gottes. Deshalb nervt es mich auch, als "adventistischer Künstler" vorgezeigt zu werden.

Aber zurück zur Frage: Sicherlich ist der starke Mangel an Spiritualität in der Adventgemeinde ein Problem für Künstler, die zuerst von der Inspiration leben und nicht vom Intellekt. Für mich ist er ein sehr großes. 

 

artventist: Siehst du für dich eine Rolle in, bzw. für die Adventgemeinde? Welche? 

 

Christoph Silber: Ich berate die Stimme der Hoffnung gelegentlich und gern bei ihren Projekten. Ansonsten siehe oben. 

 

artventist: In einem Interview (Adventecho Juli 2003) berichtest du, dass du den Ruf verspürt hast, Gott als Pastor zu dienen. Ist dieser Ruf nach wie vor von Aktualität für dich? 

 

Christoph Silber: Schon, aber ich habe nie gesagt, dass ich diesen Ruf als an die 

professionellen Vorgaben der Adventgemeinde gebunden verstehe, sondern als eine Sache zwischen Gott und mir. Für mich hat er sich erfüllt, als ich in Berlin mit anderen eine weitestgehend unabhängige Jugendgemeinde aufgebaut und geleitet habe.  

  

artventist: Hat das christliche Zeugnis deiner Meinung nach einen Platz in der Kunst, oder sollten Glaubensleben und Kunstschaffen strikt voneinander getrennte Bereiche bleiben?  

 

Christoph Silber:  In der Kunst gibt es für mich wie gesagt keine Grenzen, also ja zu Teil eins der Frage, nein zu Teil zwei. 

 

artventist: Gibt es "missionarische Kunst"? 

 

Christoph Silber:  Die gibt es, aber sie ist nicht mein Ding. Wenn die Botschaft nach vorn tritt, wird es in der Regel langweilig und peinlich. 

 

artventist: Inwiefern hat dein künstlerisches Schaffen Menschen in der Tiefe ihrer Seele berührt und zu verändertem Leben motiviert? Ist dir hierüber etwas bekannt?  

 

Christoph Silber: Nur selten konkret, aber da die Inspiration von Gott kommt, wird er sich schon darum gekümmert haben und auch weiter kümmern.  

 

artventist: Wurde deine Kunst schon missverstanden, bzw. anders interpretiert als von Dir beabsichtigt? 

 

Christoph Silber:  Als Autor stellt man ja eher Menschen und ihre Welt vor und vertraut sie dem Leser oder Zuschauer an. Insofern gibt es da von meiner Seite gar nicht so viel Absicht, was die Interpretation angeht. Das mag bei bildenden Künstlern manchmal anders sein. 

 

artventist: Gesetzt den Fall, du hättest keine technischen, finanziellen oder persönlichen Grenzen mehr. Was für ein Kunstwerk würdest du kreieren? 

 

Christoph Silber:  Hoppla, eigentlich habe ich gar nicht das eine große ultimative Kunstwerk im Kopf. Mir geht es darum, mit meiner Arbeit zu leben und ein Leben lang zu arbeiten. Im Grunde sind die materiellen Grenzen dabei ganz hilfreich, weil sie immer wieder die Kreativität anstacheln. 

 

artventist: Was willst du in, bzw. mit deiner Kunst erreichen? Welches Erbe, welche Spur möchtest du hinterlassen? 

 

Christoph Silber: Etwas episch ausgedrückt, hoffe ich, dass ich mit meiner Arbeit wie Isaak eine Spur von Brunnen hinterlasse, gut konstruiert und ergiebig für viele durstige Wanderer in der Wüste. Aber ich habe selbst viel zu viel Durst, um an mein Erbe zu denken. Erbe klingt so nach Ende. Und ich hab das Gefühl, ich fange gerade erst an. 

 

artventist: Für diesen sehr inspirierenden "Anfang" wünschen wir dir weiterhin Alles Gute & blessings of the Most High! Danke Chris, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast! 

 

Das Interview führte Daniel Wildemann